Tipps und Tricks

Psychologische Führung von Bewerbungsgesprächen [inkl. 15 Beispiele]

22min.|04. Mai 2020

Ein Firmenchef oder gut geschulter Personalmanager ist Ihnen im Bewerbungsgespräch normalerweise klar überlegen. Aber das muss nicht so bleiben: KnowHow der wissenschaftlichen Psychologie macht Sie zum gleichwertigen Gesprächspartner. In [Teil 2] erhalten Sie von uns 15 Tipps und Anwendungsbeispiele, wie Sie von Erkenntnissen aus der Psychologie profitieren und Ihren Gesprächspartner im Bewerbungsgespräch überzeugen! 

 

16. Bleiben Sie konsequent konsistent!

Psychologischer Sachverhalt
Sie kennen das: Sie haben Ihrer Mutter versprochen sie am Wochenende zu besuchen. Leider ist Ihnen etwas dazwischengekommen. Das schlechte Gefühl eines gebrochenen Versprechens nennt die Psychologie Dissonanz. Diese zu vermeiden ist das Ziel jedes Menschen. Wir alle streben nach Konsistenz, dem widerspruchsfreien Zusammenhang. Sie ist die Basis für’s verlässliche Zusammenleben.

Anwendungsbeispiel
Personaler haben die Erwartung einen neuen Mitarbeiter zu finden, der von der inneren Einstellung her zum Unternehmen passt. Wenn sich nun Frau Müller in einem vegetarischen Bistro als Serviererin bewirbt, nimmt Sie die tierfreundliche Atmosphäre auf. Sie betont im Gespräch wie sehr ihr das Wohl der Tiere am Herzen liegt. So vermittelt sie ihrem Gesprächspartner das Gefühl, mit ihrer Anstellung seinem Wertekonzept zu entsprechen.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Signalisieren Sie dem Personaler Ihre Wertschätzung, die Sie dem Unternehmen entgegenbringen. Dies gibt ihm das Gefühl, dass Sie gut in die Firma passen und er mit Ihrer Anstellung konsistent handeln würde.

 

17. Bitte nachmachen!

Psychologischer Sachverhalt
Haben Sie sich schon mal gefragt, weshalb eine La Ola im Fußballstadion funktioniert? Oder weshalb Sie unweigerlich in die Luft schauen, wenn es die Menschen um Sie herum tun? Dieses Phänomen nennen Psychologen soziale Bewährtheit. Jeder Mensch orientiert sich unbewusst am Verhalten seiner Umwelt. Was viele Menschen machen, kann so falsch nicht sein. Wir ahmen es nach. Die Meinung anderer hat also großen Einfluss auf unsere Entscheidungen.

Anwendungsbeispiel
Unternehmen sind häufig sehr stolz auf Ihre Tradition. Dass es Dr. Oetker schon seit über 120 Jahren gibt, signalisiert uns, wie zufrieden Generationen von Käufern vor uns gewesen sein müssen. Den Effekt der sozialen Bewährtheit können Sie auch im Bewerbungsgespräch wirken lassen. Wecken Sie beim Personaler das Bedürfnis, die Handlung Ihrer vorherigen zufriedenen Arbeitgeber nachzuahmen und Sie anzustellen. 

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Machen Sie dem Personaler deutlich, dass schon andere Firmen auf Ihre Qualitäten gesetzt haben und betonen Sie, wie lange Sie schon erfolgreich arbeiten.

 

18. Gesicht zeigen!

Psychologischer Sachverhalt
Attraktivität bringt Ihnen auch im Berufsleben viele Pluspunkte. Man hält Sie für klüger, willenstärker, hilfsbereiter, freundlicher und sympathischer. So können Sie Ihr Bewerbungsfoto mit ein paar simplen Tricks aufpolieren:

Der wichtigste Attraktivitätsfaktor ist das Gesicht. Hierbei wird aber nur deutliche Asymmetrie benachteiligt. Zeigen Sie sich also ruhig auf Fotos! Positiv bewerten wir Gesichter mit großen Augen und einem natürlichen, entspannten Lächeln. Schließen Sie vor dem Foto die Augen und denken Sie an ein schönes Erlebnis. Die Emotion weitet Ihre Augen und schenkt Ihnen ein sympathisches Lächeln. 

Glatte Haut ist ein weiterer wichtiger Faktor, dem Sie mit professionellem Make-up und "Weichzeichnen" nachhelfen können. Müdigkeit ist wenig sexy – vor der Aufnahme ausschlafen ist deshalb Pflicht. Größe gilt ebenfalls als attraktiv. Sorgen Sie dafür, dass Sie auf ihrem Bild im Vordergrund stehen und so größer wirken.

Im Idealfall machen Sie so Ihre inneren Werte sichtbar. Erkennt sich der Personaler darin wieder, krönt dies Ihre Attraktivität.

Tipps für's Bewerbungsgespräch

  • Legen Sie Ihrer Bewerbung ein Foto bei. Ganz normale "Durchschnitts-Gesichter" stehen hoch im Kurs!
  • Nutzen Sie die obrigen "Booster", um Ihre Persönlichkeit optimal in Szene zu  setzen.

 

19. Was sich kennt, das mag sich.

Psychologischer Sachverhalt
Haben Sie bislang den gemütlichen Reiner Calmund als ausgewiesenen Reiseexperten wahrgenommen? Oder gilt Ihnen Heidi Klum als Fachfrau für Hamburger? Nein? Und dennoch machen sie Werbung für diese Produkte. Den Werbern geht es dabei auch gar nicht um Expertise. Sie sind interessiert an der Sympathie, die ihre Werbeträger genießen. Sympathie hat also großen Einfluss auf unsere Karriere.

Doch wie werde ich sympathisch? Sympathie baut man durch Bekanntheit und Ähnlichkeit auf. Je häufiger ich mit einer Person oder einem Produkt in Kontakt komme, desto vertrauter und sympathischer wird es mir. Noch wirkungsvoller ist aber eine erlebte Ähnlichkeit. Wir mögen Menschen, die so sind wie wir. 

Anwendungsbeispiel
"Ist ja witzig, ich heiße auch Jörg! ", "ach was, Sie sind auch in Hamburg geboren?!" Wer kennt solche Sätze nicht? Oft münden derlei Bekanntschaften in langen Gesprächen und Freundschaften. Gleiche Namen, Geburtsorte, Berufe, Interessen Ansichten und Werte schaffen Sympathie. Wir denken. "Der ist ja so wie ich." Darum sollten Sie auch im Bewerbungsgespräch auf Ähnlichkeiten setzen. Ein Foto von Eiffelturm kann Anlass für eine Paris-Anekdote sein.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Vermeiden Sie Anonymität. Erzählen Sie auch Persönliches. So geben Sie dem  Personaler die Chance, Ähnlichkeiten zu entdecken.

 

20. Nix gegen Nicken.

Psychologischer Sachverhalt
Wer schon mal seinen Anschlusszug verpasst hat, kennt das. Man eilt zu Bahnschalter, um seinen Fahrschein auf einen anderen Zug umschreiben zu lassen. Die andere Seite des Tresens quittiert die Ausführungen nur mit einem gelangweilten Nicken und schreibt irgendwas auf’s Ticket. 

Auch ohne Worte kann uns der Bahnbedienstete seine Zustimmung signalisieren. In fast allen Kulturen der Welt bedeutete ein Nicken: "Ja, ich höre dir zu". Und nicht immer muss das so desinteressiert geschehen wie auf’m Bahnhof. 

Anwendungsbeispiel
Im Bewerbungsgespräch erzählt Ihnen der Personaler von den Tätigkeiten und Erfolgen der Firma. Bei wichtigen Aussagen nicken Sie leicht mit dem Kopf. So signalisieren Sie Präsenz und Aufmerksamkeit.

Analog können Sie auch verfahren, wenn Sie reden. Nicken verschafft Selbstsicherheit und verdeutlicht die Richtigkeit Ihrer Aussagen. Außerdem können Sie so die Position Ihres Gesprächspartners testen. Nickt er ebenfalls, herrscht zwischen Ihnen Einigkeit.

Tipps für's Bewerbungsgespräch

  • Nicken Sie, um Ihrem Gesprächspartner Präsenz und Bestätigung zu zeigen.
  • Nicken Sie auch bei eigenen Aussagen. Das unterstreicht Ihr  Selbstbewusstsein und zeigt Ihnen die Haltung des Personalers.
  • Tipp zum Tipp: Mutieren Sie nicht zum Wackeldackel! Zu starkes und zu  häufiges Nicken wirkt unecht.

 

21. Im Spiegel des anderen

Psychologischer Sachverhalt
Wann haben Sie sich das letzte Mal mit Ihrem Partner gestritten? Sicher können Sie sich noch gut an Ihre Position erinnern. Aber wie sieht’s andersrum aus? Wissen Sie noch was Ihr Partner gesagt hat? 

Den meisten Menschen fällt es schwer, sich auf andere Denkweisen einzulassen. Richtiges Zuhören ist hierfür sehr wichtig. Einen Schritt weiter geht das Spiegeln. Hierbei geben Sie in eigenen Worten wieder, was Sie von Ihrem Gesprächspartner verstanden haben. Sie nehmen seine Position ein und erlangen so ein besseres Verständnis. Gleichzeitig ermöglichen Sie ihm, seine Haltung distanziert zu betrachten. Mit etwas geänderter Zielsetzung können Sie so auch im Bewerbungsgespräch vorgehen.

Anwendungsbeispiel
"Wir wollen für die Stelle jemanden, dessen Arbeit man nicht ständig kontrollieren muss und beim Kundenkontakt die Firma angemessen vertritt", sagt der Personaler. Sie spiegeln daraufhin: "Sie brauchen eine gewissenhafte und freundliche Person. Darin erkenne ich mich wieder. " So signalisieren Sie ihm Verständnis und Partnerschaft.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Wiederholen  Sie wichtige Punkte in eigenen Worten. Versuchen Sie sich  dabei in Ihren Gesprächspartner hinzuversetzen und seine Bedürfnisse zu  verstehen.

 

22. Klimawandel

Psychologischer Sachverhalt
Wo genießen Sie lieber Ihr Essen? Beim Edel-Griechen oder am Bahnhofsimbiss? Ein nettes Ambiente und eine schöne Atmosphäre lassen uns sofort entspannter werden. Gleiches gilt auch für Bewerbungsgespräche. Eine positive Gesprächsatmosphäre schafft eine lockere Unterhaltung, was sich wiederum positiv auf die Bewertung des Bewerbers auswirkt. Sie macht Sie sympathischer und verringert mögliche Vorbehalte Ihres Gesprächspartners. Hierfür müssen Sie nur ein paar Dinge beachten.

Anwendungsbeispiel
Schon beim Reinkommen können Sie punkten. Lächeln Sie den Personaler an und suchen Sie Blickkontakt. Während des Gesprächs sollten Sie vornehmlich positive Themen ansprechen. Bei weniger angenehmen Sachverhalten – wie dem Verlust Ihres alten Jobs –, sollten Sie sich um eine positive Darstellung bemühen: „Ein neuer Anfang ist für mich immer eine neue Chance!“ Harmonisieren Sie Ihre Körperhaltung mit Ihrem Gesprächspartner. Fasst er sich an die Schläfe, tun Sie etwas zeitversetzt und abgeschwächt das selbe. All diese kleinen Tricks sorgen für ein ungezwungenes Gespräch, das in einer positiven Atmosphäre stattfindet.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Gestalten Sie die Gesprächsatmosphäre möglichst freundlich. Nutzen Sie die Tipps, die Sie in [Teil 1] gelesen haben. Besonders  interessant sind hierfür "Ich schau dir in die Augen... ", "Die Kunst des  Lächelns", "Machen Sie sich ähnlich! ", "Primen Sie! " und "Im passenden  Rahmen".

 

23. Das richtige Timing

Psychologischer Sachverhalt
Wann Sie sich mit einem Personaler für ein Bewerbungsgespräch treffen ist eine heikle Frage. „Lieber gleich morgens, dann hab ich’s hinter mir“ oder „Am Nachmittag ist er bestimmt entspannter, dann hab ich bessere Chancen“ – was war Ihr erster Gedanke? Wie so oft liegt die Antwort in der Mitte. Im Idealfall vereinbaren Sie ein Gespräch in der Mittagszeit – nach dem Essen.

Anwendungsbeispiel
Gleich am Morgen ist der Personaler vermutlich noch müde. Schließlich ist auch er nur ein Mensch. Er wäre nicht so empfänglich für Sie, wie Sie es verdienen. Kurz vor Feierabend ist er gedanklich schon in selbigem. Er möchte das Gespräch dann nur noch schnell hinter sich bringen. Mit großer Aufmerksamkeit können Sie also auch hier nicht rechnen. Nach dem Lunch ist der Personaler entspannt und gesättigt. Jetzt ist er nicht nur besonders aufnahmefähig – psychologische Untersuchungen zeigen, dass satte Menschen auch positiver und nachsichtiger agieren. Beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Vereinbaren Sie das Gespräch nach dem Mittagessen. Menschen reagieren positiver und milder, wenn sie satt sind.

 

24. Nüchtern betrachtet...

Psychologischer Sachverhalt
"Ein Windows-Rechner ist besser als ein iMac!" –  "Mein neues Auto hat 20 PS mehr als deins!" Außer Äpfel und Birnen vergleichen wir fast alles miteinander. Besonders wichtig ist uns dabei, dass wir besser sind als unser Nachbar oder Kollege. Das Gehalt ist dabei ein sehr beliebter Gradmesser. Allerdings macht man sich meist mit sozialen Vergleichen nur unglücklich.

Anwendungsbeispiel
Um eine angemessene Gehaltsvorstellung ins Bewerbungsgespräch mitzubringen, vergleichen wir uns gern mit anderen. Dabei sollten wir aber die richtigen Maßstäbe ansetzen. Das realistischste Bild erhält man, wenn man sich mit Menschen in ähnlichen Situationen vergleicht. 

Unser Unterbewusstsein will aber immer besser sein als die anderen. Darum neigen wir dazu noch oben zu schauen: "Mein Schwager hat zwar 10 Jahre länger Erfahrung, trotzdem verdiene ich ja wohl das selbe Gehalt!" Der "Aufwärtsvergleich" kann aber nur unglücklich machen, weil es immer jemanden geben wird, der mehr verdient. 

Hilfreicher ist da schon der "Abwärtsvergleich". Denken Sie an Menschen, denen es schlechter geht als Ihnen. So sehen Sie was gut es Ihnen eigentlich geht und steigern Selbstwertgefühl. Seien Sie also nicht zu traurig, wenn Sie Ihr Traumgehalt nicht ganz erreichen: Es geht Ihnen auch so gut!

Tipps für's Bewerbungsgespräch

  • Betrachten Sie Ihre Situation immer realistische und möglichst objektiv.
  • Ein sozialer "Abwärtsvergleich" zeigt Ihnen die Schätze Ihres Lebens. Die empfundene Dankbarkeit hebt Ihre Stimmung augenblicklich.

 

25. Der Glaube versetzt Berge

Psychologischer Sachverhalt
Ist für Sie das Glas halb voll oder halb leer? Sowohl Optimisten als auch Pessimisten haben die Macht, mit Ihren Gedanken den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Glauben Sie nicht? Dann denken Sie mal an Ihre Schulzeit zurück. Sicher gab es Klassenarbeiten, vor denen Sie schwitzige Hände hatten: "Ich kann das nicht, sicher falle ich durch!" 

Versagensangst lähmt uns. Egal wie schwierig die Arbeit dann tatsächlich ist, allein die innere Einstellung verhindert eine gute Note. Doch die gute Nachricht ist: Diese sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung können Sie auch positiv nutzen.

Anwendungsbeispiel
Unsere Erwartungen beeinflussen die Wirklichkeit – im Guten wie im Schlechten. Steht Ihnen ein Bewerbungsgespräch ins Haus, sollten Sie sich deshalb positive Gedanken machen. Fassen Sie einen Vorsatz: "Heute werde ich den Personaler mit meiner Selbstsicherheit und Fachkenntnis überzeugen." Sie werden sich automatisch an diesem Vorsatz orientieren und deutlich selbstbewusster auftreten. Das wiederum erhöht die Chance, dass Ihre Prophezeiung auch in Erfüllung geht.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Glauben Sie an die Macht Ihrer Gedanken! Gestalten Sie mit einer positiven Einstellung Ihr Leben. 

 

26. Das Bild im Kopf

Psychologischer Sachverhalt
Stellen Sie sich eine Zitrone vor. Sie vierteln sie und beißen beherzt in das saftige Fruchtfleisch. Wird Ihr Mund schon wässrig? Menschen verfügen über ein ungeheures Vorstellungsvermögen. Die Imagination von bestimmten Situationen bildet eine Schnittstelle zwischen Bewusstem und Unbewusstem. Macht man das richtig, spielt man Abläufe immer wieder durch, macht sich mit der Situation vertraut und schafft so Automatismen.

Anwendungsbeispiel
Entspannen Sie sich und stellen Sie sich Ihr Bewerbungsgespräch bis ins kleinste Detail vor: Wie betreten Sie das Büro? Was für eine Krawatte trägt der Personaler? Wonach riecht es im Büro? Schaffen Sie vor Ihrem geistigen Auge eine reale Situation, in der Sie stets Herr der Lage sind und selbstbewusst Ihre Qualitäten präsentieren. Die Imagination gibt Ihnen Sicherheit und weckt positive Emotionen. Durch häufige mentale Visualisierung wird die tatsächliche Situation ein Kinderspiel für Sie.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Stellen Sie sich die Situation in allen Einzelheiten vor. Spielen Sie die Abläufe gedanklich möglichst oft durch. Das gibt Ihnen Sicherheit für das tatsächliche Bewerbungsgespräch.

 

27. Wie du mich, so ich dich!

Psychologischer Sachverhalt
Ähnlichkeit ist ein Schlüssel für Sympathie. Wir mögen Menschen, die unsere Ideale, Vorstellungen, Überzeugungen und Ziele teilen. Ein soziales Phänomen übertrifft aber selbst diese goldene Regel: die "reziproke Zuneigung". Diese Theorie besagt, dass wir Menschen umso sympathischer finden, je mehr wir annehmen, dass diese UNS mögen. Darum ist es wichtig, Ihrem Gesprächspartner zu signalisieren, dass sie ihn sympathisch finden – gerade auch im Bewerbungsgespräch.

Anwendungsbeispiel
Sie sitzen im Büro des Personalmanagers. Im Gespräch schauen Sie ihm in die Augen, interessiert beugen sich bei wichtigen Textpassagen leicht zu ihm nach vorn, Sie nicken an passender Stelle. Kurzum: Sie interessieren sich für Ihren Gesprächspartner und seine Worte – und signalisieren ihm so Sympathie gegenüber ihm und seinen Worten. 

Beim Rausgehen setzen Sie noch eins drauf: Sie sprechen, falls möglich, kurz die Sekretärin an und loben Sie den Verlauf des Gesprächs. Die Sekretärin wird das Lob weitergeben. So wird Ihre Sympathie gegenüber dem Gesprächspartner noch glaubwürdiger, weil sie von einer dritten Person bestätigt wird, die das Vertrauen des Personalermanagers genießt.

Tipps für's Bewerbungsgespräch

  • Vermitteln Sie dem Personalmanager im Gespräch Sympathie. 
  • Falls möglich, erwähnen Sie im Sekretariat noch mal, wie sehr Ihnen das Gespräch gefallen hat. Meist kommt die Nachricht auch über Dritte an – und wirkt dann umso stärker.

 

28. Dreimal Ich

Psychologischer Sachverhalt
Ihre Mutter redet mit Ihnen anders als Ihr Chef, richtig? Um Kommunikation zu verstehen, hat der US-Psychiater Eric Berne die sogenannte Transaktionsanalyse entwickelt. Dieses Modell geht davon aus, dass jeder Mensch über drei kommunikative Verhaltensmuster verfügt: Das Eltern-Ich ist bevormundend und fürsorglich, das Erwachsenen-Ich ist respektvoll und sachlich-konstruktiv und das Kind-Ich ist trotzig, uneinsichtig und albern. Jeder von uns agiert täglich auf allen drei Ebenen. Für eine funktionierende Kommunikation ist es wichtig, dass beide Gesprächspartner die passende Ebene verwenden.

Anwendungsbeispiel
Frau Schulze fragt ihren Mann: "Hast du wieder nicht deinen Teller leergegessen?" Sie bewegt sich auf der Eltern-Ebene und erwartet eine Antwort auf der Kind-Ebene, wie: "Das kann dir doch egal sein!" Das Gespräch wäre zwar nicht besonders freundlich, aber doch problemlos verständlich. Herr Schulze antwortet aber: "In was für einem Ton redest du eigentlich mit mir?" Er reagiert auf ebenfalls der Eltern-Ebene und nicht auf der erwarteten Kind-Ebene. Die Folge ist meist ein Streit.

Im Bewerbungsgespräch ist die Auswahl der Ebenen weniger problematisch als im Alltag. Der Personaler spricht mit Ihnen auf der sachlichen Erwachsenen-Ebene, weil er an handfesten Informationen interessiert ist: "Seit wann sind Sie in Ihrem Fachgebiet tätig?" Entsprechend sollten Sie ebenso respektvoll antworten: "Ich verfüge im Controlling über 10-jährige Berufserfahrung."

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Machen Sie sich die drei Verhaltensebenen bewusst und kommunizieren Sie im Bewerbungsgespräch ausschließlich über Ihr Erwachsenen-Ich.

 

29. Der Zuhörer

Psychologischer Sachverhalt
Mal ganz ehrlich: Hören Sie Ihrem Gegenüber immer zu? Es fällt nicht immer leicht, unserem Gesprächspartner richtig zuzuhören. Insbesondere im Streit wissen wir hinterher oft nicht mehr, was der Andere eigentlich gesagt hat. Der Grund für dieses Phänomen ist oft die falsche Annahme, Zuhören bedeute immer gleich Zustimmen. 

Menschen verfügen über die Fähigkeit, einen Standpunkt nachvollziehen zu können, ihn aber nicht zu teilen. Dieses aktive Zuhören ist der Schlüssel für konstruktive Gespräche. Mit der richtigen Technik schaffen Sie Vertrauen, vermeiden Missverständnisse und erscheinen lösungsorientiert.

Anwendungsbeispiel
Im Bewerbungsgespräch geht es um Ihren späteren Aufgabenbereich. Der Personaler erläutert Ihnen, wozu Sie nicht befügt sein werden. Statt ihm in die Parade zu fahren, sollten Sie ihm sorgfältig zuhören. Ihre Aufmerksamkeit signalisieren Sie durch Blickkontakt, Ihre Körpersprache und kurze Bestätigungen. Unterbrechen Sie Ihn nicht und lassen Sie auch Gesprächspausen zu. So sammeln Sie seine Argumente und verstehen seine Motive besser. 

Anschließend können Sie diese Erkenntnisse für Ihre Argumentation nutzen. Gehen Sie dabei respektvoll mit seiner Meinung um: "Ihr Argument mit der fehlenden Erfahrung und der Vertraulichkeit Ihrer Daten leuchtet mir ein und kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich denke aber, dass meine Arbeitsleistung durch diese Kompetenzen deutlich gesteigert werden würde."

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Fühlen Sie sich in Ihr Gegenüber hinein und versuchen Sie seine Gedanken nachzuvollziehen. Denken Sie an den Unterschied zwischen Zuhören und Zustimmen.

 

30. Situation gerettet!

Psychologischer Sachverhalt
Sie haben im Keller Ihres Lebenslaufs die ein oder andere Leiche? Die Orientierungslosigkeit nach der Schule, die Auszeit vor dem Berufeinstieg... – alles verständlich und doch unschön im Lebenslauf. Jetzt heißt das oberste Ziel Schadensbegrenzung. Je nach Größe der Lücke bleibt Ihnen häufig nur, sich möglichst elegant herauszulavieren. Nur wie?

Anwendungsbeispiel
Der Personaler nimmt sich während des Bewerbungsgesprächs Ihren Lebenslauf zur Hand. Mit Blick auf die Lücke zwischen Juni 2010 und März 2011 fragt er: "Stimmt es, dass Sie in dieser Zeit nichts gemacht haben?" Nun müssen Sie Ruhe bewahren. Stehen Sie dazu und bestätigen Sie es möglichst knapp und sachlich: "Ja, ich habe die Zeit zwischen Studium und Berufseinstieg genutzt, ein dreiviertel Jahr in Australien Erfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern." So gelingt es Ihnen, tapfer zu Ihrem "Fehler" zu stehen und ihn gleichzeitig positiv zu belegen.

Tipps für's Bewerbungsgespräch
Bestätigen Sie den unangenehmen Sachverhalt so knapp wie möglich. "Überschreiben" Sie ihn im gleichen Atemzug mit einem neuen, emotionalen Argument.


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